Montag, 30. Juli 2012

Anonymus - Das Buch ohne Namen

Klappentext:

Jeder, der dieses Buch liest, stirbt. Doch nur wer es liest, weiss, warum.

Ein Buch ohne Titel und ohne Autor tötet jeden, der es liest. Ein geheimnisvoller blauer Stein ist plötzlich verschwunden - und alle suchen ihn. In Santa Mondega bricht die Hölle los - im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Sonnenfinsternis wird Santa Mondega bald in völlige Dunkelheit tauchen und dann wird es blutig werden. Blutiger, als sich irgendjemand vorstellen kann. Denn ein Fremder ist in der Stadt: Bourbon Kid.

Kritik:

Ein Buch ohne Autor über ein Buch ohne Autor. Wow. Im Zusammenhang mit dem Klappentext finde ich das schon durchaus reißerisch. Es drängt sich förmlich der Verdacht auf, dass man einem Marketing-Gag für ein Werk aufgesessen ist, welches von den inneren Werten nicht halten kann, was es außen verspricht. Nun gilt es zu klären, ob man hier vielleicht einem Irrtum unterliegt.

Zuerst muss man sagen, dass "Das Buch ohne Namen" relativ komplex aufgebaut ist. Es beschränkt sich nicht auf wenige Hauptfiguren, sondern man bekommt förmlich einen "Sternmarsch" vorgesetzt, der ein und die selbe Geschichte aus der Perspektive von einigen Protagonisten erzählt, die sich schließlich zum Finale hin immer näher kommen und schließlich begegnen. Eine interessante Schreibform, auch wenn es gerade zum Anfang etwas schwer fällt, die einzelnen Handlungsstränge zu verfolgen und auf einen Nenner zu bringen. Je mehr man sich jedoch dem Ende des Romanes annähert, umso flüssiger lesen sich die einzelnen Geschichten - welche jeweils ihren ganz eigenen Spannungsbogen aufbauen. Ein sehr großer Vorteil für dieses Buch, denn einige der Stories sind (auch hier wieder: besonders am Anfang) doch eher zäh und langatmig. Dass der Autor relativ schnell von einem Protagonisten zum nächsten wechselt, hält den Leser jedoch bei der Stange, denn man kann sagen, dass zumindest keine zwei langweiligen Kapitel aufeinander folgen. Sicherlich wäre es schöner gewesen, wenn diese Längen komplett vermieden worden wären, aber es geht auch deutlich schlimmer. Nach etwa 100 - 120 Seiten ist auf jeden Fall ein konstanter Spannungsbogen vorhanden, der mich als Leser nicht mehr los gelassen hat. 

Die Charaktere selber sind gut ge- und in vielen Fällen auch überzeichnet (so hat man es mit recht vielen Figuren zu tun, die beim Lesen quasi Superkräfte zu haben scheinen), auch wenn der Autor darauf verzichtet hat, mit zu vielen unnötigen Details aus deren Vergangenheit zu langweilen. Unnötig aus dem Grund, dass im "Buch ohne Namen" sehr schnell gestorben wird. Und sehr viel. Und streckenweise äußerst blutig - was auch gerne einmal sehr detailliert geschildert wird. Man sollte also schon ausreichend starke Nerven haben und auch etlichen recht eklig beschriebenen Szenen nicht abgeneigt sein, um wirklich Spaß mit diesem Werk zu haben. So weit, so gut. In Hinsicht auf die Action versagt Anonymus aber leider. Grundsätzlich wird zu Beginn einer Auseinandersetzung ausgeblendet und der Faden auch erst dann wieder aufgegriffen, wenn bereits alles gelaufen ist. Die einzige Ausnahme bildet hier das Finale, in welchem die Geschehnisse aus der Sicht eines der Teilnehmers etwas detaillierter geschildert werden. Mit einem Action-Thriller hat man es also in jedem Fall nicht zu tun. Trotz dieser Schwächen ist es mir aber schwer gefallen, "Das Buch ohne Namen" aus der Hand zu legen. Die Story selber entwickelt sich mit rasender Geschwindigkeit weiter und wird dabei immer spannender. Man möchte unbedingt wissen, wie es weiter geht. 

Erwähnenswert ist auch noch, dass sich der Roman nicht völlig ernst nimmt. Das merkt man schon an der erwähnten Überzeichnung der Charaktere - und das schlägt sich auch in der humoristischen Schlagseite nieder. Man sollte natürlich nicht erwarten, mit dem feinen, zynisch-ironischen Humor eines Pratchett oder Gaiman konfrontiert zu werden. Anonymus setzt, wunderbar einhergehend mit der Brutalität seiner Schilderungen, auf einen eher brachialen Humor. Darauf muss man sich einlassen wollen, keine Frage. Wenn man das aber tut und ihn im Idealfall ohnehin mag, wird man aber auch hieran seine blanke Freude haben. Auch sollte man zum "Buch ohne Namen" noch sagen, dass man es nicht ausschließlich mit Menschen als Charakteren zu tun bekommt. Hier und dort taucht der eine oder andere Untote, meistens in Form von Vampiren, auf. Ich hätte es gut gefunden, wenn das im Klappentext zumindest angeschnitten worden wäre - nicht, weil ich mit dieser Thematik nichts anfangen könnte, sondern weil man mit der vorliegenden Beschreibung vielleicht eine eigene Erwartungshaltung aufbaut, die der Roman nicht erfüllen kann. Hierfür gibt´s Abzüge in der B-Note.

Fazit:

Ich hatte einen Heidenspaß mit "Das Buch ohne Namen". Abgedreht und blutig, dabei aber spannend und unterhaltsam bis zum Ende. Da  es mit unter aber sehr speziell ist, muss man sich als Leser wirklich darauf einlassen wollen, sonst wird man wohl nicht viel Vergnügen mit dem Roman haben. Ich für meinen Teil freue mich aber schon auf "Das Buch ohne Staben" und "Das Buch ohne Gnade", welche die Geschichte des Bourbon Kid fortsetzen.

Freitag, 20. Juli 2012

Stan Nicholls - Die Orks

Inhaltszusammenfassung:
Maras-Dantien, die Wiege der älteren Rassen und auch die Heimat von uns Orks, steht in Flammen. Die älteren Rassen und die Spätankommer, die so genannten Menschen, führen Krieg gegeneinander und Krieg ist unser Metier: Wir Orks leben für den Kampf.

Ich bin Stryke und mein Trupp, die Vielfrasse, gehört zu den Besten. Also war es nicht wunderlich, dass Königin Jennesta uns den Sonderauftrag erteilte, ein gestohlenes Artefakt wiederzubeschaffen. Doch dann stießen wir bei unserer Suche auf Probleme und konnten unsere Vereinbarung mit der Königin nicht einhalten.

Das gestohlene Artefakt muss wirklich wichtig sein, denn Jennestra erklärte uns im Nu für vogelfrei und hetzte uns alles auf den Hals, was sie anzubieten hatte: Kriegstrupps, Drachenpatrouillen, Kopfgeldjäger.

Jetzt haben wir erfahren, dass es noch vier weitere dieser Artefakte gibt. Wir wissen nicht, was sie bewirken oder wozu sie gut sind. Wir wissen nur, dass sie heiß begehrt sind. Also werden wie sie uns holen. Wenn es sein muss mit Gewalt! Schließlich sind wir Orks und drauf verstehen wir uns ...
Kritik:
Lange Zeit bin ich um "Die Orks" herum geschlichen, ohne mich so wirklich ran zu trauen. Auf der einen Seite liest sich die Thematik durchaus interessant, auf der anderen Seite wirkt der Klappentext ein wenig reißerisch und die Verbindung zu Tolkien (dessen Herrn der Ringe ich im übrigen sehr schätze und deswegen immer äußerst skeptisch bin, wenn mich ein Buch zu sehr daran erinnert) ist einfach zu naheliegend. Irgendwann lag "Die Orks" dann aber auf dem Gabentisch, ich hatte also  keinen Grund mehr, mich darum herum zu drücken. 
Nicholls versteht es gut, aus den "Bösen Buben" der Fantasy einen durchaus sympathischen und - soweit das bei der gewählten Rasse möglich ist - menschlichen Haufen zu machen. Der Klappentext, der die Protagonisten als gewalttätigen Haufen von Mordbrennern darstellt ist also ziemlich überzogen. Was aber nichts macht, denn durch diesen Umstand hebt sich der Roman wohltuend von der Masse der Fantasy-Bücher ab, in denen Orks weitestgehend als Kanonenfutter und Bösewichte herhalten müssen. Geschrieben ist das Buch locker-flockig, ohne dabei zu sehr in einen trivialen Schreibstil abzudriften. Ebenso erzeugt der Autor vom Start weg einen Spannungsbogen, der den Leser nicht mehr los lässt. Man möchte unbedingt wissen, wie es mit Stryke und seinem Kriegstrupp weiter geht, man ist gespannt darauf, wie die internen Zwistigkeiten zwischen den Mitgliedern sich entwickeln, man ist gespannt darauf, was Strykes immer wieder eingestreuten Träume zu bedeuten haben - was aber auch der größte Schwachpunkt des Werkes ist, dazu aber später mehr. Die Charaktere selber sind gut gezeichnet und individuell ausgefallen und das nicht nur auf die Hauptakteure bezogen, auch hier unterscheidet sich "Die Orks" also vom Fantasy-Allerlei. Nicholls ist aber nicht nur in der Lage, Spannung aufzubauen, das zeigt er spätestens, wenn die "Vielfraße", so der Name des Kriegstrupps, in eine der (zahlreichen) Schlachten des Romans ziehen. Actionreich ist wohl der treffendste Ausdruck für diese Passagen. Und zwar Action auf Niveau eines FSK18-Filmes, es wird sich nicht zurück gehalten, es fliegen Körperteile in rauhen Mengen und die Darstellungen sind sehr explizit. Man sollte also nicht gerade zimperlich sein, wenn es um Gewaltdarstellungen geht. Ich selber habe damit wenig Probleme (wie man wohl auch an meinem Filmgeschmack erkennen kann), ich kann mir aber gut vorstellen, dass es durchaus potentielle Leser geben mag, die auf einige der geschilderten Details gut und gerne hätten verzichten können.
Ich erwähnte oben bereits die Traumsequenzen. Sie sind wichtig für die Handlung, keine Frage. Sie sind auch nicht schlecht geschrieben und fügen sich als ruhiger Gegenpol in die harte, actionlastige Haupthandlung ein. Leider zeichnet sich durch aber auch, spätestens im letzten Drittel ab, wo die Reise von Stryke und seiner Truppe hinführen wird und was es mit den Artefakten, nach denen sie sucht auf sich hat. Das ist etwas schade, hier hätte ich mir die Überraschung für einen späteren Zeitpunkt gewünscht. Dieser Umstand mindert die Motivation weiter zu lesen aber nur sehr bedingt, ob das Unterfangen letztlich gelingt wird tatsächlich erst auf den letzten Seiten aufgelöst - einen Abzug in der B-Note muss man hierfür also nicht zwangsläufig geben. Erwähnenswert ist auch, dass es zwar mittlerweile zwei Fortsetzungen gibt, aber zumindest der erste Teil eine in sich abgeschlossene Handlung bietet, man also nicht gezwungen ist, sich ale Teile gleichzeitig zu organisieren, wenn man einfach nur einmal wissen möchte, ob man sich mit den Orks anfreunden kann.
Fazit:
Wir haben es hier mit einem Buch zu tun, welches sich wohltuend von der Masse der Fantasy-Romane unterscheidet und dennoch jedem Fan des Genres ans Herz gelegt werden kann. Man wird auf knappen 800 Seiten von Anfang bis Ende gut unterhalten.

Mittwoch, 11. Juli 2012

Stephen King - Die Arena

Inhaltszusammenfassung:

Gerade will Dale „Barbie“ Barbara, Imbisskoch und Irak-Veteran, die Kleinstadt verlassen, da senkt sich die Kuppel wie eine Guillotine herunter und macht seine Ausreise unmöglich. Dann hält das Grauen Einzug in den Mikrokosmos – vor allem dank der Taten des skrupellosen Autohändlers und Provinzpolitikers „Big Jim“, der seine Mannen mordend durch die Gegend ziehen lässt, während die Außenwelt hilflos zusehen muss. Am Ende, als kaum mehr Erwachsene am Leben sind, liegt das Schicksal von Chester’s Mill und seiner wenigen Überlebenden in den Händen der Kinder...


Kritik:

Nun ja, was soll man sagen... man hat es mit einem Roman von Stephen King zu tun. Der gute Mann mag ein Großmeister seines Faches sein, aber er ist auch einer dieser speziellen Fälle, die man entweder liebt oder hasst. Ich für meinen Teil bin großer King-Fan und kann trotz seines "nichtssagenden Geschwafels", wenn ich an dieser Stelle einmal einen Menschen zitieren darf, mit dem ich mich über ihn unterhalten habe, sehr viel mit so ziemlich jedem Roman anfangen. 

Die Geschichte von "Die Arena" liest sich schon in der kurzen Zusammenfassung interessant - und wie es für den Autoren typisch ist, geht es auch schon von Anfang an ziemlich zur Sache. King verschwendet hier nicht viel Zeit damit, uns mit den Charakteren seiner Geschichte vertraut zu machen, sondern wirft uns zunächst einmal mitten in die Action. Ein sehr gelungener Auftakt, der Lust auf mehr macht. Man kann sagen, dass es "Die Arena" gelingt, einen konstanten Spannungsbogen aufzubauen, welcher immer zum weiterlesen animiert. Nicht zuletzt dürfte dieser Umstand sich auf die Tatsache gründen, dass sich die persönlichen Hintergründe der Protagonisten erst im Lauf der Story erschließen - ebenso wie vorhandene Beziehungen zueinander immer weiter vertieft werden. Natürlich trägt auch die Geschichte selber ihren Teil dazu bei, dass man das Buch nur ungerne aus der Hand legt. Sie ist King-typisch detailverliebt geschrieben, ohne dabei jedoch zu sehr von der eigenen Story abzudriften. Die Charaktere selber sind leider sehr archetypisch geraten. Man hat auf dieser Seite "Die Guten" und auf der anderen Seite "Die Bösen", dazwischen gibt es leider nicht sonderlich viel - und bedauernswerter Weise ist auch von Anfang an abzusehen, wer auf welcher Seite steht, hier wäre mir die eine oder andere Überraschung lieber gewesen. Schade. Lediglich die Leidensgeschichten einiger Nebencharaktere lockern dieses Schwarz/ Weiß etwas auf, auch wenn sie nichts mit der eigentlichen Geschichte von "Die Arena" zu tun haben, beziehungsweise nur einen unmaßgeblichen Anteil der Hauptstory darstellen.

Man merkt also durch und durch, dass King sein Handwerk nach wie vor versteht, auch wenn die Idee zu "Die Arena" laut dem Autoren bereits vor 30 Jahren entstanden sein soll - und die Geschichte an sich einem sicherlich schon sehr bekannt vorkommen mag. Ich lasse an dieser Stelle einmal dahin gestellt, ob das wirklich so ist, denn die Grundstory kennt man spätestens seit dem Simpsons-Kinofilm. Der Roman ist später erschienen, was mich persönlich mit leichten Zweifeln auf die Glaubwürdigkeit dieser Aussage blicken lässt. Für meinen Geschmack sind die Parallelen hier zu groß und King ist im Vorwort einfach zu bemüht, sein Werk als "Original" darzustellen. Das gibt Abzüge in der B-Note. Wesentlich schwerer wiegt aber noch dieser wirklich nicht gelungene Twist Richtung Science-Fiction, welcher zum Ende des Buches immer mehr ins Rollen kommt. Hier möchte man sagen "Schuster bleib bei deinen Leisten", denn speziell diesen Teil finde ich einfach nicht gelungen, auch wenn mancher Leser hier jetzt vielleicht sagen möchte, dass unserer Gesellschaft damit eine Art Spiegelbild vorgehalten werden soll. Mag sein - aber auch das ist einfach zu sehr dahin geklatscht, um wirklich zu funktionieren. Hätte der Autor auf diesen Teil seiner Geschichte verzichtet und das vor sich hin köchelnde Süppchen vielleicht mit etwas mehr Originalität versehen können, wäre vielleicht aus einem guten ein großartiger Roman geworden. So bleibt es aber unter´m Strich "Nur ein King".

Fazit:

Das Buch ist keinesfalls schlecht. Es ist spannend und gewohnt gut geschrieben. Es ist aber auch um Längen von der eigentlichen Klasse Stephen Kings entfernt. Eher etwas für Fans.

Sonntag, 27. Mai 2012

Jay Dobyns - Falscher Engel



"Sie fahren Harleys, tragen Lederjacken, Bärte und Tattoos. Sie schrecken vor Gewaltverbrechen nicht zurück und führen blutige Bandenkriege − die Hells Angels, der legendäre Bikerclub. Der amerikanische Undercover-Agent Jay Dobyns gewinnt ihr Vertrauen. Am Ende funktioniert die Tarnung so gut, dass Dobyns in den Inner Circle der Hells Angels aufgenommen werden soll. Erst da erkennt der Agent, dass er sich in Lebensgefahr befindet. In diesem Buch schildert er seine abenteuerlichen Ermittlungen, die ihn fast seine Familie, seine Gesundheit und sein Leben gekostet hätten." (Amazon.de)


Kritik:


Ich muss gestehen, dass ich gegenüber Büchern mit dem Label "Spiegel Bestseller" meistens eher kritisch denke. Ich habe offenbar nicht die intellektuelle Bandbreite, die offenbar meistens nötig ist, um mit diesen Schmökern Spaß zu haben. Trotzdem konnte ich irgendwie nicht an "Falscher Engel" vorbei gehen, schlicht und einfach weil die Thematik mich schon irgendwie interessiert hat. Also Buch eingesagt, aufgeschlagen und losgelesen.


Ich muss gestehen, dass ich anfangs etwas enttäuscht war. Zwar war das Buch für einen Tatsachenbericht locker und interessant geschrieben, allerdings fehlte mir zu Beginn etwas die Motivation, weiter zu lesen. Warum? Ich kann es nicht einmal mit Sicherheit sagen, irgendwie fiel es mir schwer, Zugang zu Dobyns zu bekommen - was sich allerdings bereits nach etwa 50 Seiten änderte. Langsam begann sich die Spannung aufzubauen, die sich auch bis zum Ende immer wieder in den Vordergrund drückt, stellenweise hat man sogar den Eindruck, es nicht mit einem Bericht (Dobyns sagt im Nachwort, dass wohl "Memoiren" die passendste Bezeichnung für sein Buch wäre) sondern eher mit einem Roman zu tun zu haben. Man möchte unbedingt wissen, wie es weiter geht. Hierbei muss aber gesagt werden, dass weder die Praktiken des Ermittlerteams noch die Welt der Hells Angels detailliert wiedergegeben werden, sondern dass Dobyns nur an der Oberfläche kratzt. Hier wäre ein wenig mehr Einsicht sicherlich interessant gewesen, wobei man speziell bei den polizeilichen Hintergründen schon Verständnis dafür hat, dass nicht übermäßig viele Details benannt werden. 


Was "Falscher Engel" wirklich interessant macht, ist die Geschichte des Autoren selber. Er beschreibt sehr eindringlich, wie er immer mehr von Jay Dobyns, Cop - einer von den Guten zu Jaybird Davis, Motorradrocker, Waffenschieber und Auftragskiller wird. Er beginnt, die Rolle die er spielt wirklich zu leben, zu einem von den Bösen zu werden. Sein psychischer Zustand wandelt sich dramatisch und sein "wahres" Leben tritt immer mehr in den Hintergrund. Und genau dieser Teil macht das Buch so lesenswert. 


Man darf nicht erwarten, dass viele Tatsachen, die man nicht schon aus Dokus, Nachrichten und Gerüchten kennt ans Tageslicht kommen. Was die Hells Angels so alles treiben, dürfte wohl jedem schon einmal in irgendeiner Form zu Ohren gekommen sein. Zwar sind die wenigen Details, die Dobyns beschreibt interessant zu lesen, aber er selbst kratzte halt trotz aller Bemühungen immer nur an der Oberfläche. Viele Internas sind auch ihm verschlossen geblieben. 


Enttäuschend ist das Ende, da man hier den Eindruck gewinnt, dass der Autor endlich zum Schluß kommen wollte. Es wirkt mitunter etwas sprunghaft und es macht sich das Gefühl breit, dass er keine Lust mehr hatte, weiter an seinem Buch zu arbeiten. 


Unterm Strich bleiben aber gute 350 interessante, großteils spannende Seiten, die aufzeigen, wie hoch die Belastung auf einen Undercover-Bullen in einer Extremsituation ist - und die auch klar machen, wie hoch die Gefahr ist, sich selbst an seine Rolle zu verlieren. 


Klare Empfehlung, ich würde hier 4/5 Bücherwürmern vergeben.

Donnerstag, 14. Juli 2011

Gilda Joyce in geheimer Mission

von Jennifer Allison


Buchrückentext:
Die 13-jährige Gilda hat ein großes Ziel: parapsychologische Ermittlerin zu werden.
Und da der Alltag trotz eifrigen Ausspionierens der Nachbarn ziemlich langweilig ist, quartiert sich Gilda während der Sommerferien kurzerhand bei ihrem Onkel in San Francisco ein.
Ein lohnender Einfall - denn nicht nur, dass Gilda in der schüchternen Cousine Juliet eine Freundin findet, nein, auch ihre Ermittlerfähigkeiten sind plötzlich gefragt, denn in dem alten viktorianischen Familiensitz scheint sich ein düsteres Geheimnis zu verbergen.


Gilda ist 13 Jahre alt und ein bischen schräg, oder einfach ein bischen anders als ihre Mitschüler. Sie liebt es sich zu verkleiden, um so ihre Nachbarschaft auszuspionieren.
Am liebsten möchte sie Parapsychologische Ermittlerin werden, glaubt dass sie Übernatürliches spüren kann (warum sonst juckt ihr ständig das linke Ohr, wenn sie auf was stößt?) und tippt all ihre Erlebnisse auf ihrer Schreibmaschine, die sie von ihrem verstorbenen Vater bekommen hat.

Bald sind Sommerferien. Gildas beste Freundin fährt dann in ein Sommercamp um Klavier spielen zu üben und Gilda wäre dann ganz alleine. Sie erfährt von einem entfernten Verwandten, der in San Francisco lebt und kurzerhand lädt sie sich dort ein, um ihren Sommer dort zu verbringen. San Francisco ist ja schliesslich die Geisterstadt Nr. 1.
Durch eine glückliche Fügung klappt es auch mit der Einladung und schon reist sie ganz alleine zu ihrem Verwandten, der zusammen mit seiner ebenfalls 13-jährigen Tochter in einem großen Haus wohnt, in dem es nicht mit rechten Dingen zu geht.

Gildas Cusine Juliet ist ein schüchternes, in sich gezogenes Mädchen, dass den Geist ihrer Tante in dem Haus gesehen hat.
Zu dem Haus gehört ein verschlossener Turm und von dort kommen Nachts unheimliche Geräusche.
Juliet spricht aber mit niemanden darüber, da das Thema um ihre verstorbene Tante nie angesprochen wird und irgendwie ein großes Tabu in der Familie ist.

Gilda und Juliet freunden sich an und  Gildas Tatendrang ist es zu verdanken, dass der Fall um die mysteriöse Tante gelöst wird.
Dabei geht Gilda auch mal ganz schön ruppig vor und riskiert oft nach Hause geschickt zu werden.

Gilda und Juliet sind einem beim lesen sofort sympatisch, weil auch aus der Sicht von beiden erzählt wird. Die Geschichte ist spannend und die Auflösung des Rätsels unerwartet, aber mit Happy End.

Man wird ein bischen Bedrückt durch die Stimmung die im alten Haus herrscht, da Juliets Vater ständig auf der Arbeit ist, Juliet keine Freunde hat und die Atmosphäre in dem großen Haus dunkel und unwohnlich ist. Bis Gilda kommt und Juliet so immer mehr aus sich raus kommt.

Ein schönes Kinderbuch und auch eine nette Geschichte für Erwachsene.
Schade, dass es erst ein Gilda Band in deutsch gibt.

4 Bücherpunkte für die nette Unterhaltung von mir.

 

Dienstag, 26. Oktober 2010

Der Monstrumologe

von Rick Yancey


Buchbeschreibung:
1888: Der Junge Will Henry ist ein Weisenkind und arbeitet als Assistent des kauzigen Dr. Warthrop. Der gute Doktor hat sich auf ein ganz besonderes Gebiet spezialisiert: Er ist Monstrumologe, das heisst, er studiert Monster und macht notfalls Jagt auf sie.

Eines Abends kommt ein Grabräuber zu Will und dem Doktor ins Labor. Er hat einen schrecklichen Fund gemacht: eine Leiche, in die sich ein zahnbewehrtes Monter verbissen hat. Der Doktor weiß, diese Monsterart ist äußerst gefährlich, da sie Menschen tötet und sich rasend schnell vermehrt. Und die einzigen, die nun zwischen diesen Bestien und den Menschen stehen, sind der Doktor und der kleine Will.


Mal wieder ein Buch, das ich wegen der Aufmachung gekauft habe. Innen sind noch Seitenverschönerungen (Zeichnungen von OP Besteck) und Illustrationen und ich wurde auch vom Inhalt nicht enttäuscht. 

Sobald man anfängt zu lesen, hat man gleich eine düstere Kullisse und Charaktere im Kopf, die aus einem Tim Burton Film entsprungen sind.
Alles ist duster und grau, aber das passt herrlich zu der Geschichte.

Zum Inhalt:

Der kleine Will Henry ist gerade mal 12 Jahre alt und lebt nach dem Tod seiner Eltern, bei Dr. Warthrop, für den er den Assistenten spielen muss.
Das ist manchmal ziemlich grausam, denn dem Professor ist es egal, dass Will Henry noch so jung ist. Er behandelt ihn wie einen Erwachsenen und lässt ihn an den Monsterstudien ebenso teilnehmen, wie an der Monsterjagt.

Im Buch wird nur eine Art von Monster behandelt, aber die hat es als menschenfressende Rasse in sich.
Diese Monsterart taucht auf einmal in Neuengland auf und der Doktor geht dem Rätsel der Erscheinung auf die Spur, leben diese Monster doch vornehmlich in Afrika.
Es stellt sich heraus, dass eine ganze Population dieser Monster auf dem Friedhof der Stadt lebt und weil diese Menschen töten, gehen der Doktor und Will Henry auf die Jagt.

Man sollte dieses Buch nicht lesen, wenn man isst.
Ich hab mir zweimal wegen den ausführlichen Beschreibungen den Appetit verdorben, aber es ließ sich so schwer aus der Hand legen.
Man nimmt Anteil am Schicksal des armen Will Henry, dem der Doktor oft zuviel abverlangt, man gruselt sich bei der Monsterjagt und man sucht zusammen mit dem Doktor den Grund warum und wie die Monster nach Neuengland gekommen sind.

Das Buch ist eine abgeschlossene Erzählung und man muss nicht auf einen zweiten, oder dritten Teil warten, was mich immer ganz verrückt macht.

Mir hat es gut gefallen und deshalb gebe ich 4 Bücherpunkte.

Dienstag, 19. Oktober 2010

Die zehn besten Tage meines Lebens

von Adena Halpern


Noch keine dreißig Jahre alt, wird Alex mit ihrem Pocket Beagle in L.A. überfahren. Überraschend findet sie sich im Siebten Himmel wieder. Dort gehören begehbare Schuhschränke genauso zum Alltag wie das bewegende Wiedersehen mit ihren verstorbenen Großeltern. Doch Schutzengel Deborah funkt dazwischen. Mit einem Aufsatz über die zehn besten Tage ihres Lebens muss Alex erst beweisen, dass sie den Siebten Himmel verdient hat und ihr Leben nicht nur mit der sinnlosen Jagd nach dem neuesten Designerfummel zugebracht hat. Aber trifft nicht genau das zu?

Wenn ich nicht ganz irre, habe ich dieses Buch von Abalone geschenkt bekommen. Aber da ich damals noch an 'Vom Winde verweht' knabberte und nicht der Typ bin, der mehrere Bücher gleichzeitig liest, hab ich es in mein Bücherregal gestellt. Neulich war mir dann nach leichter Kost, und so griff ich zu diesem Buch. Und wurde nicht enttäuscht. Der Roman ist flüssig geschrieben, so dass ein eifriger Leser vermutlich nur einen oder zwei Tage dafür braucht. Ich habe drei oder vier Tage gebraucht. Besonders gut hat mir der Humor gefallen und wie Alex auch sich selbst auf die Schippe nehmen kann. Allerdings gab es sogar eine Szene, die mich zu Tränen rührte, und das passiert mir eher selten bei Büchern. Das Ende war anders als erwartet und trotzdem gut. Alles in allem hat das Buch was von Popcorn-Kino. Flüssige und leichte Unterhaltung, an die man sich aber in ein paar Jahren nur nach genauem Nachdenken erinnert. Trotzdem ein wunderschönes Buch. An dieser Stelle nochmal meinen Dank an Abalönchen. :)

Es gibt 3 von 5 Bücherwürmern.