Montag, 21. Januar 2013

Untot - Lauf, solange du noch kannst

Kristy McKay – Untot. Lauf, solange du noch kannst (2012)



Erschienen im Chicken House Verlag

Klappentext:

Endlich ist dieser grässliche Ski-Ausflug mit ihren noch grässlicheren Mitschülern vorbei. Noch ein letzter Pausenstopp, dann hat Bobby es hinter sich. So lange wartet sie mit Smitty im Bus auf die anderen. Aber die anderen kommen nicht zurück, die anderen sind tot! Alice hat es genau gesehen und dreht vollkommen durch. Schöne Scheiße. Sie müssen hier weg und zwar schnell! Denn plötzlich kommen die Toten auf sie zu und sie sehen verdammt hungrig aus. Doch draußen ist es einsam und dunkel, der Schneesturm tobt und die Handys funktionieren auch nicht mehr…

Samstag, 19. Januar 2013

Der Thron der Welt

Robert Lyndon - Der Thron der Welt (2013)

erschienen im Wunderlich Verlag




Das Rezensions-Exemplar wurde freundlicherweise von vorablesen.de zur Verfügung gestellt.

Inhaltszusammenfassung:

Eine unglaubliche Reise wartet auf den Franken Vallon und seinen Begleiter Hero. Nachdem Heros Meister Cosmas verstorben ist, schließt dieser sich dem Söldner an, welcher geschworen hat, ihn bis ans Ende ihrer Reise zu begleiten. Die Aufgabe: den normannischen Edelmann Walter, welcher von den Seldschuken als Geisel festgehalten wird, auszulösen. Der Preis dafür: 2 Paare Gerfalken, welche nur in Island zu finden sind. Die Reise führt die Gefährten von England über Island bis hin ins ferne Persien.

Kritik:
Ich war sehr gespannt auf “Der Thron der Welt”, versprachen die erste Leseprobe und die Thematik doch einen sehr interessanten und unterhaltsamen Roman. Die Gefahr, hier einer Fehleinschätzung zu unterliegen war natürlich recht hoch, klingt vieles von dem, was man aus dem Klappentext heraus lesen kann doch altbekannt, außerdem wirkt die komplette Aufmachung und nicht zuletzt auch der Titel schon sehr dicht an Ken Follett angesiedelt, welcher in diesem Genre mit seinen Säulen der Erde und natürlich “Die Tore der Welt” Maßstäbe gesetzt hat. Ich möchte vorab bemerken, dass einige meiner Kritikpunkte leider nicht ohne spoiler auskommen, diese sind aber entsprechend markiert.

Freitag, 18. Januar 2013

Wie Blüten im Wind

Kristin Hannah - Wie Blüten im Wind (2013)

Erschienen im Ullstein Verlag


Klappentext:

Trotz ihrer Unterschiede sind Mia und Lexi unzertrennlich. Ihre Freundschaft kann auch nicht dadurch erschüttert werden, dass sich Lexi in Mias Zwillingsbruder Zach verliebt. Bis Mia bei einem tragischen Autounfall ums Leben kommt. Denn Lexi, die ebenfalls im Wagen saß, verliert nicht nur ihre beste Freundin, ihre ganze Zukunft ist zerstört. Nur einer hält all die Jahre zu ihr - doch hat die Liebe zu Zach eine Chance?

Kritik:

Ich habe dieses Buch als Leseprobe bei vorablesen.de entdeckt und rein geschnuppert und wusste sofort, das muss ich lesen. Schon nach den wenigen Seiten Leseprobe war ich drin in der Geschichte, und dass ich dann auch noch zu denjenigen gehörte, die ausgelost wurden, um ein kostenloses Rezensionsexemplar zu bekommen, kam mir dann natürlich auch entgegen. Nur wenige Tage später hatte ich das Buch in der Post, und da ich schon einige Tage um mein Bücherregal herum schlich auf der Suche nach einem neuen Opfer, knöpfte ich mir "Wie Blüten im Wind" auch gleich vor. Ich muss gleich sagen, dass der Klappentext nicht ganz dem entspricht, was man erwarten könnte. Ich hoffe, ich kann diesen Umstand erklären, ohne zu viel zu spoilern.

Donnerstag, 17. Januar 2013

Rot wie das Meer

Maggie Stiefvater – Rot wie das Meer (2012)

Erschienen im script5 Verlag



Klappentext:

Heute ist der erste November und das bedeutet, heute wird jemand sterben. Selbst im hellen Sonnenschein schillert die eisige Herbstsee in allen Farben der Nacht: dunkelblau, schwarz und braun. Ich betrachte die sich ständig verändernden Muster im Sand, zerpflügt von unzähligen Hufen. Unten am Strand, einem bleichen Streifen zwischen schwarzem Wasser und Kalkfelsen, wärmen sie die Pferde auf. Das ist niemals ungefährlich, aber die Gefahr ist auch nie so groß wie heute, am Tag des Rennens.

Jedes Jahr im November wird die Insel Thisby von den Capaill Uisce heimgesucht, Meereswesen, die in Gestalt wunderschöner Pferde Tod und Verderben bringen. Schnell wie der Seewind und tückisch wie das Meer, ziehen sie die Menschen in ihren Bann. Wie viele junge Menschen der Insel fiebert auch Sean Kendrick dem Skorpio-Rennen entgegen, bei dem sie auf Capaill Uisce gegeneinander antreten. Nicht wenige bezahlen dafür mit ihrem Leben. Das diesjährige Rennen aber wird sein wie kein anderes zuvor: Als erste Frau wagt Puck Connolly, sich einen Platz in dieser Männerwelt zu erkämpfen. Sie gewinnt den Respekt von Sean Kendrick, der ihr anfangs widerwillig, dann selbstlos hilft. Schließlich fällt der Startschuss und auch diesmal erreichen viele Reiter nicht das Ziel. Ihr Blut und das ihrer Capaill Uisce färben die Wellen des Meeres rot…

Sonntag, 30. September 2012

Jack Ketchum - Evil

Klappentext:


Die USA in den 50er-Jahren. Nach außen hin eine heile Welt, doch inmitten der amerikanischen Vorstadtidylle wird ein Junge mit unvorstellbaren Grausamkeiten konfrontiert. Jack Ketchum zeigt in seinem beunruhigenden, grenzüberschreitenden Horrorthriller die Abgründe der menschlichen Seele auf. 

Quelle: Amazon.de
Kritik:

Der Klappentext lässt nicht viel über den eigentlichen Inhalt des Buches verlautbaren, darum nehme ich mir hier die Freiheit, ein bisschen weiter ins Detail zu gehen. Ketchum beschreibt in diesem Roman, was Menschen anderen Menschen antun können. Schutzbefohlenen, deren Freunden - und nicht zuletzt auch, was für Auswirkungen das Handeln eines Einzelnen auf das Leben von vielen anderen, nicht zuletzt auch von Unbeteiligten, haben kann. Ketchum gilt als einer der härtesten Autoren der modernen Horrorgeschichte - und Evil, so zumindest eine häufig gehörte Meinung, ist hierbei das Kronjuwel in seinem Repertoire. Große Worte, welche sich teilweise durchaus bestätigt haben. Auch wenn der Roman (wie eigentlich alles, was ich in letzter Zeit gelesen habe) mal wieder aus der Sicht der Hauptfigur erzählt wird. Ebenfalls erwähnenswert ist, dass diese Geschichte, so traurig wie es klingt, sich tatsächlich in den 50er Jahren abgespielt hat - was sie noch etwas grausamer werden lässt, als es bei reiner Fiktion ohnehin schon der Fall wäre.
Die Geschichte an sich ist dabei nicht einmal sonderlich ungewöhnlich. Eine Kleinstadt, in der jeder jeden kennt - insbesondere in der kleinen Einbahnstraße direkt am Waldrand. David, eines der Kinder aus dieser Straße, trifft beim spielen am Fluss ein Mädchen welches er noch nie gesehen hat - es stellt sich heraus, dass es die Ziehtochter seiner Nachbarin ist. Die beiden beginnen, sich anzufreunden. So weit, so normal. Das erste Drittel des Buches beschäftigt sich zum Großteil damit, die Beziehung zwischen Meg und David aufzubauen - um sie dann ganz schnell zu zerstören und ins Gegenteil umzukehren. Ketchum versteht es sehr gut, von einer durchaus "liebenswerten" Geschichte innerhalb weniger Seiten zu etwas umzuschlagen, was zwar durchaus als brutal, aber immer noch als irgendwie nachvollziehbar bezeichnet werden kann. Die Strafen, welche Megs Stiefmutter an den Tag legt sind hart - aber traurigerweise auch in manchen Haushalten wohl alltäglich. Die Steigerung erfolgt ab diesem Punkt aber schnell und konstant, so dass der Autor seine Protagonisten schließlich in eine Situation stößt, die - vor allem für Meg, welche sich als Gefangene im Keller den Grausamkeiten ihrer Stiefmutter und jedem Kind, welches gerade Interesse an ihr hat - ausgesetzt wird. Ketchum schafft es hierbei, den Leser auf einem Grad zwischen Faszination und Ekel schreiten zu lassen, der zum Ende des Buches hin immer dünner wird. Tatsächlich dürfte es ihm gelungen sein, dem einen oder anderen Leser die Frage einzupflanzen, was wohl hinter den geschlossenen Türen seiner Nachbarn vorgehen mag. Die Härte hierbei liegt nicht in den expliziten Schilderungen - obwohl diese teilweise nicht ohne sind, auch wenn Ketchum bei einer der härtesten Stellen seinen Hauptcharakter diese "einfach nicht schildern lassen" will. Muss auch nicht sein, denn die eigentliche Brutalität des Buches liegt mehr auf der psychologischen denn auf der grafischen Ebene.

Die Charakterzeichnung ist dabei gut gelungen, auch wenn sie sich in erster Linie auf David und seinen Freundeskreis beschäftigt. Tiefgehend wird schließlich nur die Hauptfigur auseinander genommen, der Autor schafft es hierbei jedoch, auch die Nebenakteure nicht langweilig oder oberflächlich wirken zu lassen. Vor allem aber gelingt es ihm, Davids Gedankengänge und seinen Werdegang im Laufe der kompletten Geschichte zu verstehen - und sich mit ihm zu schämen, teilweise sogar, ihn für sein Nichtstun zu verachten. Etwas, was später direkt wieder revidiert wird. Ein gelungenes Spiel mit Emotionen, nicht nur im Rahmen der Handlung des Romans.

Der größte Schwachpunkt hingegen ist das Vorwort von Stephen King. Ja, es ist sehr informativ und hat mir persönlich den einen oder anderen Autoren näher gebracht, beziehungsweise dafür gesorgt, dass ich mich näher mit ihm auseinander setzen möchte. Das ganz große "Aber" bei der Sache ist jedoch, dass King mit seinen Zeilen viel von dem vorweg nimmt, was den Leser erwartet - teilweise mit recht detaillierten Beschreibungen. Hier hätte ich mir weniger gewünscht, denn es ist schon recht schade, direkt zu Beginn - und vor allem aus der Feder von jemandem, der es eigentlich besser wissen sollte - solch umfangreiche Spoiler zu lesen.

Fazit:

"Evil" ist sicherlich harter Stoff. Aber ein durchaus lesenswertes, sehr gut geschriebenes Buch. Man sollte jedoch nicht erwarten, dass hier die Blutkeule gezückt wird, sondern muss sich auf einen eher psychologischen Horrortrip einstellen. Der Vergleich mit dem französischen Film "Martyrs" liegt hier - nicht ganz unberechtigterweise - sehr nahe.


Bewertung: 9/10 Punkten

Mittwoch, 26. September 2012

Mark Lawrence - Prinz der Dunkelheit

Klappentext:

Die Dunkelheit ist nicht das Ende, sie ist erst der Anfang.

Als Kronprinz Jorg mit ansehen muss, wie seine Mutter und sein Bruder ermordet werden, bricht für ihn eine Welt zusammen. Sein Vater, der König, unternimmt jedoch nichts, und so schwört Jorg Rache und schart eine Horde Gesetzloser um sich. Mordend und brandschatzend ziehen sie durch das Land und sind weithin gefürchtet. Doch Jorgs Rachefeldzug hat gerade erst begonnen - denn ein finsteres Schicksal voller Blut und Magie erwartet ihn...


(Quelle: Amazon.de)


Kritik:


Bei diesem Roman von Mark Lawrence handelt es sich um sein Debut - was ja nicht zwangsläufig etwas schlechtes bedeuten muss. Auf der anderen Seite wird man sich nach dem Lesen des Klappentextes wohl zwangsläufig denken "Das kenne ich doch schon irgendwie". Ja, einen Innovationspreis wird das Buch tatsächlich nicht gewinnen, es bleibt nun also abzuwarten, ob die inneren Werte stimmen, wenn man schon eine oft durchgekaute Geschichte vorgesetzt bekommt.
Eigentlich kann man sagen, dass Lawrence mit seinem Erstling nicht sonderlich viel falsch gemacht hat. Ja, es ist korrekt, dass seine Handlung sicherlich nicht gerade neu ist, aber zumindest ist der Mann in der Lage, das Bekannte in einem sehr schönen Gewand unter die Leute zu bringen - auch wenn er (wie es mir in letzter Zeit dauernd unterkommt) den "Prinz der Dunkelheit" aus der Sicht seines Hauptcharakters erzählt. Zumindest aber in der Vergangenheitsform. Hurra! Es gelingt ihm dennoch, seinem Werk einen nicht zu verachtenden Spannungsbogen zu verleihen, bei dem es zwar immer wieder einmal zu kleineren Hängern kommt, der sich aber nach diesen Phasen schnell wieder auf das Wesentliche konzentriert. Die Atmosphäre ist größtenteils gelungen und streckenweise wirklich sehr düster geraten, der deutsche Titel ist somit gut gewählt - wobei der englische "Prince Of Thorns" noch passender ist. Hier soll jedoch nicht zu viel verraten werden, denn die Spoiler-Gefahr wäre dabei sehr groß. Was es jedoch zu bemängeln gibt, ist die Tatsache, dass Lawrence auch bei den Locations mitunter sehr einfallslos ist. Schlösser, Burgen, Dörfer, alles schön und gut. Aber spätestens beim Gang durch die das Höhlensystem unter einem Berg fühlte ich mich schon arg an die Minen von Moria erinnert. Die Ausflüge in moderne Gefilde (so trifft man zum Beispiel ein Computersystem und - Achtung Spoiler - eine Atombombe an) wirken arg deplatziert, ebenso der Mix aus realer und Fantasy-Welt (unter anderem liest Jorg Nietzsche und Platon, es tauchen Teutonen auf etc.). Es mag sein, dass Lawrence den Aufbau einer fiktiven Zivilisation nach dem Untergang der unseren plant, allerdings ist sein Stil in diesem Punkt nicht ganz schlüssig, beziehungsweise unlogisch: warum ist Platon zum Beispiel bekannt, während bei Begegnungen mit unserer moderneren Zivilisation von den "Erbauern" gesprochen wird? Schade, hier hätte man sicherlich mehr Potential gehabt, welches aber nicht ausgeschöpft wurde.

Die Charakterzeichnungen sind leider zum Großteil recht schwach ausgefallen. Zwar erfährt man sehr viel über Jorg, seine Beweggründe und seine Vergangenheit, die anderen Figuren bleiben aber blass. Sie sind hat die Begleiter des jungen Prinzen, haben ihre Namen und werden in kurzen Texten zwischen den Kapiteln auch teilweise zumindest ansatzweise charakterisiert, viel mehr kann man aber nicht erwarten. Schade, denn auch die Geschichte des Nubiers oder von Hauptmann Markin wären mit Sicherheit auch sehr interessant zu lesen gewesen. So bleibt leider nur der Chef mit seiner halbwegs gesichtslosen Meute übrig, bei deren Toden oder Handlungen man nur bedingt mitfiebern kann. Auch hier also kein Sieg auf ganzer Linie, aber zumindest gute Ansätze.

Der Stil des Autoren ist durchaus ansprechend. Mark Lawrence versteht es, triviale Literatur halbwegs anspruchsvoll zu schreiben, auch der Übersetzer hat hier seinen Job sehr gut gemacht (danke vor allem auch dafür, dass nicht sämtliche Begriffe stumpf eingedeutscht wurden - eine schreckliche neue Mode!). Das Buch ist flüssig geschrieben, ohne dass man Lawrence großartige Fehler zuschreiben müsste. Spontan könnte man nur sagen, dass der zaghaft eingestreute Humor hinsichtlich seines verbitterten Hauptcharakters teilweise deplatziert wird, allerdings sind diese Momente recht selten. Auch in den Gewaltdarstellungen ist er nicht sonderlich zurückhaltend, auch wenn man hier sicherlich kein "Schlachtfest" zu erwarten hat. Die Gewalt steht nicht im Vordergrund, sondern wurde passend in die düstere Story und die brutale Welt eingebaut, die hier geschaffen wurde. 

Fazit:

Unterm Strich bleibt "Prinz der Dunkelheit" ein durchaus gelungener Erstling, dem man einige Schwächen verzeiht, weil weitaus mehr auch richtig gemacht wurde. Ich hoffe, dass sich Lawrence in eventuell noch folgenden Werken steigern kann und somit ein mehr als "nur" gelungenes Buch abliefern kann, welches die auftretenden Fragen beantworten kann.

Bewertung: 7/10 Punkten

Donnerstag, 13. September 2012

Max Brooks - Zombieparade

Klappentext:


Seit Jahrhunderten kämpft die Menscheit gegen die Zombies - ein Kampf, der von den Vampiren bislang unbeteiligt bis amüsiert beobachtet wurde. Doch langsam schwant den Geschöpfen der Nacht, dass sie sich werden einmischen müssen, wenn sie nicht riskieren wollen, dass mit den Menschen auch die eigene Existenzgrundlage vom Erdboden verschwindet. Die Zombieapokalypse naht - und das nicht nur in dieser neuen Geschichte von Max Brooks, dem Chronisten alles Untoten.




Kritik:


Wow, nur ein Tag nach seiner letzten Rezension legt uns der Typ ein neues Review vor! Wie macht der Kerl das blos? Nun, das ist schnell erklärt: Zombieparade, eine Sammlung von vier Kurzgeschichten, ist eigentlich nicht viel mehr als ein Büchlein mit gerade einmal 120 Seiten. Und zudem auch noch mit großem Schriftbild. Man sieht also, sonderlich gehaltvoll ist dieses Buch zumindest vom Volumen her nicht. Lohnen sich dann wenigstens die Geschichten?
Zum Teil ja. Natürlich muss man sagen, dass sich bei diesem Umfang natürlich keine großartigen Geschichten erzählen lassen, die Stories selbst sind zwar von der Länge her unterschiedlich ausgefallen, aber eines haben sie alle gemeinsam: Brooks verschwendet keine Zeit damit, einen Spannungsbogen aufzubauen, sondern wirft seine Leser direkt ins Geschehen. Dabei bleibt natürlich auch ein Großteil dessen, was ein gutes Buch ausmacht auf der Strecke. Gute, tiefgründige Charakterzeichnungen, eine nachvollziehbare Geschichte und so weiter. Man möge mich nicht falsch verstehen, mir ist durchaus bewusst, dass man eine Kurzgeschichte nicht mit einem Roman gleichsetzen sollte, aber selbst einen gewissen Effekt sollten auch sie mit sich bringen: nämlich den, dass der Leser gerne weiterliest. Das ist bei Brooks in diesem Buch leider nicht immer der Fall. Ich nehme mir aus diesem Grund die Freiheit, hier jede Geschichte für sich zu zerlegen.


Geschichte 1: Innerer Frieden GmbH

Auf einem ausgemusterten Kreuzfahrtschiff wurde nach dem Zombiekrieg eine Art Ferienressort eingerichtet, auf welchem jedem Kunden genau die gewünschte und passende Erholung geboten werden soll. Diese Geschichte beschäftigt sich mit einem dieser Kunden und ist in gerade einmal 16 Seiten heruntergerissen. Leider ist sie nicht viel mehr als ein einziger langer Gedankengang eben jenes Kunden, der zwar bedingt auf seine Vergangenheit eingeht, dem Leser aber (auf Grund der generell fehlenden Vorgeschichte) nicht die Möglichkeit bietet, sich mit ihm zu identifizieren. Unklar bleibt mir gerade wegen der kurz angerissenen Vergangenheit des Mannes auch, warum er nun ausgerechnet diese spezielle Art der Erholung gewählt hat. Spannung kommt nicht auf und man hat fast schon die Lust, das Buch wieder zur Seite zu legen. Kein sonderlich gelungener Auftakt.


Bewertung: 2/10 Punkten



Geschichte 2: Steve und Fred

Hier hat Brooks eigentlich zwei Geschichten um zwei unterschiedliche Personen verfasst, die nichts miteinander zu tun haben. Ob das nun ein Kniff war, um auf immerhin 22 Seiten Story zu kommen, lasse ich nun einmal dahin gestellt, denn Tatsache ist, dass es sich bei "Steve und Fred" um einen der besseren (wen nicht sogar den besten) Teile des Büchleins handelt. Die Story um Steve krankt zwar auch unter der Tatsache, dass man rein gar nichts über den Protagonisten erfährt, hat aber den großen Vorteil, dass er schnell und actionreich geschrieben ist - und die kurze "Laufzeit" auch lediglich dazu nutzt, eine einzige kurze Szene zu beschreiben, was Brooks auch sehr gut gelingt. Spannend und knackig, sehr gut für eine Shortstory.

Fred hingegen ist nun genau das Gegenteil, funktioniert aber auch sehr gut. Hier geht es um einen einzelnen Überlebenden, der sich schon eine geraume Weile in einer Hoteltoilette versteckt. Brooks setzt hier natürlich nicht auf Action, sondern nutzt geschickt die klaustrophobischen Anfälle seines Protagonisten und lässt ihn seine eigene Situation rekapitulieren. Zwar nicht gerade das, was man eine Ausgeburt an Spannung nennen würde, aber hier sollte sich wohl eher auf die Dramatik konzentriert werden - was auch wieder gelungen ist. Diese Episode ist also wirklich so durchgeflutscht.



Bewertung: 8/10 Punkten


Geschichte 3: Zombieparade

Die Titelgeschichte, in der neben Zombies nun auch Vampire auftauchen. Vermittelte Brooks im (echt lesenswerten!) Zombie Survival Guide und auch hier im Vorwort noch den Eindruck, dass er sich tatsächlich für jemanden hält, der sich ernsthaft mit einer gegeben Gefahr auseinander setzt, demontiert er sein Selbstportät hier deutlich. Was aber nicht heißen soll, dass die Geschichte schlecht ist, im Gegenteil. Sie ist die umfangreichste in dieser Sammlung und birgt neben einer tatsächlich spannenden Story auch ein nicht zu knappes Maß an Anspielungen auf unsere heutige Gesellschaft. Klingt ein bisschen so, als ob sich da jemand bei Romero hat inspirieren lassen? Ja, eindeutig. In den Topf wurden dann noch ein, zwei eigenständige Elemente geworfen und fertig war ein gut schmeckendes, wenn auch sehr kurzes, Menü. Erwähnen sollte man noch, dass hier den Charakteren im Gegenzug zu den anderen Geschichten auch etwas mehr Tiefgang verliehen wurde, was tatsächlich dazu führt, dass man sich zumindest ansatzweise mit dem erzählenden Vampir identifizieren kann.


Bewertung: 7/10 Punkten



Geschichte 4: Die Chinesische Mauer

Die letzte Geschichte ist wieder sehr kurz geraten und wie ein Interview aufgebaut. Die Protagonistin ist eine Chinesin, die vom Bau der (neuen) chinesischen Mauer erzählt, der persönlichen Leidensgeschichte, die damit einher gegangen ist und natürlich auch von den Schwierigkeiten, die die Untoten dabei gemacht haben. Leider muss man sagen, dass die Idee zwar gut ist, die Umsetzung aber eher langweilt. Man hat tatsächlich den Eindruck, es mit einem Interview für ein Magazin zu tun zu haben, nicht mit Unterhaltungsliteratur. Gut und schön, aber in letzter Instanz erwarte ich von einem Roman/ einer Kurzgeschichte eben dieses: unterhalten zu werden. Da hilft leider auch der - in dieser Story noch einmal etwas dicker aufgetragene - sozialkritische Anstrich nicht. Nette Idee, aber meines Erachtens nach am Ziel vorbei geschossen.


Bewertung: 4/10 Punkten

Man sieht also, dass Brooks mit "Zombieparade" mehrere gänzlich unterschiedliche Ansätze verfolgt, diese aber nur bedingt funktionieren. Eines haben sie aber alle gemein: stilistisch kann man sich über den Autoren nicht beschweren. Sie sind gut geschrieben, verfallen aber nicht in einen "Larifari-Erzählstil", der für das Zombiegenre (wenn auch eher im Filmbereich) mittlerweile ja trauriger Alltag ist. Wären die Inhalte jetzt alle auf einem ähnlichen Niveau wie die zweite und die dritte Geschichte gewesen, hätte man trotz aller Kürze also von einem rundum gelungenen Werk sprechen können.

Gesamtbewertung: 6,5/10 Punkten

Fazit:

Das Konzept "Kurzgeschichten" wird hier zielgerichtet umgesetzt. Hätte Brooks nun ein paar Seiten mehr verfasst und in den "langsamen" Episoden seinen Figuren mehr Tiefe verliehen, wäre vermutlich ein gutes Buch heraus gekommen. So muss man leider sagen, dass es nur mit Abstrichen empfehlenswert ist. Ich bin gespannt auf "Operation Zombie" - den Survival Guide sollte man übrigens für spontane Apokalypsen-Fälle unbedingt parat liegen haben.